Die "Spiel" und der "Rollenspielhandel"
Eine kritische Betrachtung von Mic Schröder

Wenn man die Halle 6 betritt, ist man immer überrascht. Während in den anderen Hallen in erster Linie Verlage ihre Produkte und natürlich vor allem ihre Neuheiten präsentieren, ist das hier genau umgekehrt. Hier gibt es eine enorme Anzahl an Händlern. Noch verblüffender ist es aber was sie verkaufen und zu welchen Preisen.
Da stellt sich einem sofort die Frage: Was erhoffen sich diese Händler?
Bekannt ist ja mittlerweile, daß auf den Essener Spielertagen nur der verkauft, der bei den Kampfpreisen mithalten kann. Aber ich frage mich ernsthaft: Warum gibt es diese Kampfpreise überhaupt?
Sind sie ein Zeichen dafür, daß es im Rollenspiel-Bereich wenig Kaufleute gibt, die rechnen können, was es für sie bringt, wenn sie fast zum Einkaufspreis die Ware wieder verkaufen?
Oder ist die Ware so schlecht, daß man zusehen muß, die Plörren so schnell wie möglich wieder los zu werden?
Glauben die Händler gar, daß sie mit Schleuderpreisen Kunden werben können?
Eins ist Sicher. Wer darauf hofft, mit Schleuderpreisen Kunden zu werben, der wurde aufs Glatteis geführt. Wer einen Kunden fragt, wo er das supergünstige Spiel gekauft hat, wird das gleiche feststellen, wie ich. Der Käufer weiß für gewöhnlich nur, daß es irgendwo 2 Gänge weiter war, nicht aber den Namen der Firma. Das ist für ihn auch nicht weiter wichtig. Er ist höchsten schon wieder auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen.
Also - ist es minderwertige Ware? Der Eindruck drängt sich leicht auf. Produkte, kaum herausgekommen, werden kurzerhand verramscht. Wundert es da noch jemanden, daß der Kunde im Geschäft die normalen Preise nicht mehr bezahlt? Er hat es in Essen doch viel günstiger gesehen. Dafür muß er nun wirklich nicht so viel ausgeben!
Interessant ist der Gedanke, daß es um die kaufmännischen Fähigkeiten nicht so besonders bestellt ist. Wenn der Rollenspielhandel mit diesen minimalen Margen rechnet, müssen die Hersteller eigentlich auch gar nicht so hohe Rabatte geben. Im Spielwarenhandel gibt es ja schon die Beispiele dafür. Markführende Spielwarenhersteller verkaufen heute schon ihre Produkte mit minimaler Rabattierung. Der Handel muß die Produkte führen, denn es handelt sich um die meist umworbenen Produkte, welche die Kunden ins Geschäft ziehen.
Daß es auch im Rollenspielbereich in diese Richtung geht, kann man schon deutlich daran erkennen, daß die Rabattierung immer straffer wird. Zusatzrabatte und Sonderkonditionen fallen weg oder werden reduziert. Empfohlene Verkaufspreise werden vom Hersteller gesenkt, wobei unauffällig die Gewinnspanne gleich mit gesenkt wird.
Zu verstehen ist es. Wer möchte schon, daß seine Produkte verschleudert werden. Irgendwie bedeutet das doch immer auch, daß sie nicht viel taugen. Ganz im Gegensatz zu einem Produkt, daß man nirgends billiger bekommt. Denn das ist so gefragt, daß der Handel es nicht nötig hat den Artikel los zu werden.

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