Wenn man die Halle
6 betritt, ist man immer überrascht. Während in den anderen Hallen
in erster Linie Verlage ihre Produkte und natürlich vor allem ihre
Neuheiten präsentieren, ist das hier genau umgekehrt. Hier gibt es
eine enorme Anzahl an Händlern. Noch verblüffender ist es aber
was sie verkaufen und zu welchen Preisen.
Da stellt sich einem
sofort die Frage: Was erhoffen sich diese Händler?
Bekannt ist ja mittlerweile,
daß auf den Essener Spielertagen nur der verkauft, der bei den Kampfpreisen
mithalten kann. Aber ich frage mich ernsthaft: Warum gibt es diese Kampfpreise
überhaupt?
Sind sie ein Zeichen
dafür, daß es im Rollenspiel-Bereich wenig Kaufleute gibt, die
rechnen können, was es für sie bringt, wenn sie fast zum Einkaufspreis
die Ware wieder verkaufen?
Oder ist die Ware so schlecht, daß man
zusehen muß, die Plörren so schnell wie möglich wieder
los zu werden?
Glauben die Händler gar, daß sie mit
Schleuderpreisen Kunden werben können?
Eins ist Sicher.
Wer darauf hofft, mit Schleuderpreisen Kunden zu werben, der wurde aufs
Glatteis geführt. Wer einen Kunden fragt, wo er das supergünstige
Spiel gekauft hat, wird das gleiche feststellen, wie ich. Der Käufer
weiß für gewöhnlich nur, daß es irgendwo 2 Gänge
weiter war, nicht aber den Namen der Firma. Das ist für ihn auch nicht
weiter wichtig. Er ist höchsten schon wieder auf der Suche nach dem
nächsten Schnäppchen.
Also - ist es minderwertige
Ware? Der Eindruck drängt sich leicht auf. Produkte, kaum herausgekommen,
werden kurzerhand verramscht. Wundert es da noch jemanden, daß der
Kunde im Geschäft die normalen Preise nicht mehr bezahlt? Er hat es
in Essen doch viel günstiger gesehen. Dafür muß er nun
wirklich nicht so viel ausgeben!
Interessant ist der
Gedanke, daß es um die kaufmännischen Fähigkeiten nicht
so besonders bestellt ist. Wenn der Rollenspielhandel mit diesen minimalen
Margen rechnet, müssen die Hersteller eigentlich auch gar nicht so
hohe Rabatte geben. Im Spielwarenhandel gibt es ja schon die Beispiele
dafür. Markführende Spielwarenhersteller verkaufen heute schon
ihre Produkte mit minimaler Rabattierung. Der Handel muß die Produkte
führen, denn es handelt sich um die meist umworbenen Produkte, welche
die Kunden ins Geschäft ziehen.
Daß es auch
im Rollenspielbereich in diese Richtung geht, kann man schon deutlich daran
erkennen, daß die Rabattierung immer straffer wird. Zusatzrabatte
und Sonderkonditionen fallen weg oder werden reduziert. Empfohlene Verkaufspreise
werden vom Hersteller gesenkt, wobei unauffällig die Gewinnspanne
gleich mit gesenkt wird.
Zu verstehen ist
es. Wer möchte schon, daß seine Produkte verschleudert werden.
Irgendwie bedeutet das doch immer auch, daß sie nicht viel taugen.
Ganz im Gegensatz zu einem Produkt, daß man nirgends billiger bekommt.
Denn das ist so gefragt, daß der Handel es nicht nötig hat den
Artikel los zu werden.