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Aus dem FEARLESS Universum
Das rote Licht
Teil V
eine Story von Dennis Matthias
 
Das Gitter, das ich erreicht hatte, führte zum großen Fabrikraum des Schiffes, in dem die neuen Droiden hergestellt werden sollten. Was sich mir bot, war ein Bild des Grauens. Ich hoffe, dass kein Mensch jemals wieder solch einen Anblick ertragen muss. Im Raum waren fein säuberlich die Ersatzteile der Droiden sortiert. In einer Ecke des Raumes lagen meine Kammeraden. Ob tot oder bewusstlos konnte ich nicht sagen. Die Fließbänder waren im vollen Gange. Die fleißigen Metallarme setzten, schraubten und schweißten. Und wo Ersatzteile fehlten transportierten Fließbänder einen meiner Kumpanen herbei. Und ich musste mit ansehen, wie die blutigen Metallarme ihn zerfetzten, fein säuberlich Gliedmaßen abtrennten und mit den metallischen Ersatzteilen verarbeiteten. Die nicht benötigten – „Rohstoffe“ meines Kumpanen wurden getrennt und auf abscheuliche, blutige Ersatzteilhaufen gelegt. Zu guter Letzt, als das Monster aus Stahl und Knochen fast fertig war, gelangte es direkt unter das Gitter des Lüftungsschachtes, sodass ich die Arbeit in all seiner Schrecklichkeit verfolgen konnte. Von einem der Haufen trugen die Metallärmchen ein menschliches Hirn herbei, entfernten einige der Hirnareale und setzten es in den metallischen Schädel des Monsters. Über Schnittstellen verbanden sie es mit der CPU des Droiden. Der Schädel wurde geschlossen und zugeschweißt. Und zu meinem Schrecken erhob sich das Monster zu unnatürlichem Leben.
Meine Nerven lagen brach, die Wände des Lüftungsschachtes schienen mich zu erdrücken, die Luft schien stickig und mir die Lunge zuzuschnüren. Ich schrie, stemmte mich gegen den Schacht und machte mich daran, wegzukommen. Wohin war mir egal. Ich wollte nur weg. Schüsse wurden laut und schon bald wurde der Schacht durchlöchert. Es glich einem Wunder, dass ich verfehlt wurde. Ohne zu denken, ohne inne zu halten, zog ich mich den ganzen Weg zurück. Wie lange es gedauert hat, kann ich nicht sagen. Ich bewegte mich wie in Trance fort. Ich erinnere mich nur noch daran, wie ich wieder hinter den Rohren hockte. Den Luftschacht hatte ich wieder verschlossen. Apathisch hockte ich in der Ecke, kaute mir die Finger blutig.
Ich muss wohl fernab der Realität gewesen sein, denn ich hörte den CY 102 gar nicht kommen. Er schaute plötzlich an den Rohren vorbei hoch zum Gitter des Lüftungsschachtes. Als er mich bemerkte, hatte ich den Strahler bereits reflexartig erhoben und ihm in den Schädel geschossen. Wahrscheinlich hatten die Droiden die Lüftungsschächte kontrolliert. Ich sprang hinter den Rohren hervor und eilte den Gang hinab. Ich musste mir ein neues Versteck suchen. Auf dem Weg begegneten mir mehrere TAD. Die früheren Fehlfunktionen der TAD schienen behoben. Sie agierten besser denn je. Es ist mir schleierhaft, wie ich die Auseinandersetzungen unversehrt überleben konnte. Alles war wie in einem schrecklichen Traum. Nichts schien real.
Letztendlich landete ich in diesem Gang. Seither hocke ich hier. Warte ab, was auch geschehen mag. Es ist wohl, wie ich es befürchtet hatte. Der Großrechner ist beschädigt worden und betrachtet uns Menschen nun als seine ärgste Bedrohung. Ansonsten tut er nur das, was wir ihm befohlen haben. Auch wenn es lächerlich klingt: Flipper ist nun mein größter Feind.
Meine Lippen sind immer noch rissig. Ich mache mich wieder daran, etwas Kondenswasser von einem der Rohre zu lecken. Nach mehreren Minuten mühevoller – nennen wir es mal Wasseraufnahme - richte ich meinen Blick wieder den Gang hinunter. Wie lange werde ich wohl noch hier hocken?
Was war das?! Mir war, als hätte ich, ganz leise, ein kurzes Zischen gehört. Gefolgt von einem – Kratzen. Ja, da ist es wieder, kein Zweifel! Meine Hände beginnen zu zittern. Vielleicht ist es ja nichts weiter. Irgendeine harmlose Maschine, die ihrer Aufgabe nachgeht.
Am Ende des Ganges erscheint plötzlich dieser Metallschädel, die Muster des Lichtes reflektierend. Die Hydraulik bringt die Gelenke zum Zischen und schiebt dieses Etwas noch ein Stück vorwärts. Da steht es, am Ende des Ganges. In seiner vollen Schrecklichkeit. Aus seinem Nacken ragen dicke Schläuche, die sich in der metallenen Wirbelsäule verlieren - wie die Fangarme einer Unterwasserbestie. Zwei dünne Ärmchen aus Titan halten zwei Vibro-Klingen, die zur Standardausrüstung meiner Einheit gezählt haben. Aus der Hüfte ragen zwei – nein, drei gekrümmte, spinnenartige Beine. Hier und da ist das Metall von einer dünnen Schicht menschlichen Gewebes überzogen. Keine Worte, keine Fantasie kann das Grauen, das dieses Scheusal hervorruft, wiedergeben. Ein Alptraum aus Fleisch und Stahl.
Das Biest verharrt. Ich starre. Starre.
Noch scheint es mich nicht bemerkt zu haben. Ist jede Hoffnung verloren? Oder geht es vielleicht weiter... ?
Mit einem Zischen dreht sich der Schädel. Und kräftig und grell leuchtet das Licht seiner roten Augen in den Gang. Ich spüre, wie die Maschine meinen Körper abtastet, wie es meinen noch bebenden Leib scannt. Stählerne Züge befinden sich auf der einen Hälfte seines Gesichtes. Die andere ist von einer dunklen, menschlichen Haut mit einer kleinen Tränen-Tätowierung überzogen...
Wieder ertönt die Hydraulik und dreht den Körper des Metallmonsters in meine Richtung. Langsam, fast gemächlich kommt es auf mich zu – um mir den Tod zu bringen. Das Zischen der Gelenke, das Scharren der Metallfüße auf dem Boden. Immer näher.
Zitternd hebt sich meine Hand. Irgendein schwerer Gegenstand ruht darin, dessen Aufgabe ich vergessen habe. Ich starre nur in dieses rote Licht. Dann, wie aus weiter Ferne, dringt von meiner Hand aus ein anderes Licht in meine Sinne. Grün und schwach.
Im Ohr habe ich nur dieses Zischen und Scharren. Zischen, Scharren, Zischen, Scharren...
Der Lauf meiner Waffe ist kalt. Mein Kiefer zittert so sehr, dass ich mit meinen Zähnen immer wieder darauf beiße. Zischen, Scharren, Zischen, Scharren...
Noch einmal blicke ich in dieses rote Licht. Dieses grausame rote Licht.


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