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Aus dem FEARLESS Universum
Das rote Licht
Teil IV
eine Story von Dennis Matthias
 
Ich wurde von einem schrillen Geräusch hinter mir aus meinen Gedanken gerissen. Ich schnellte herum und sah einen CY 102 auf dem Gang, der seinen Arm hob. Der Ionenpartikelstrahler zuckte auf und zerfetzte mir das Fleisch am Oberschenkel. Ich warf mich aus der Schussbahn an die Wand neben dem Eingang und blickte auf die Wunde. Nur ein Streifschuss. Schon hörte ich, wie sich der Droide näherte. Mein Blick fiel auf den Schließmechanismus der Tür. Ohne zu zögern hämmerte ich dagegen. Der CY 102 trat gerade über die Schwelle, als die schwere Eisentüre nach unten raste und den Roboter zu Boden schmetterte. Der Partikelstrahler entglitt seinem Griff und fiel in den Raum. Ich stürzte vor, griff die Waffe und drehte mich wieder zur Tür. Der CY 102 lag eingequetscht am Boden, seine Finger krallten über den Stahl der schweren Türe, versuchten den Körper aus der Klemme zu befreien. Ich drückte ab. Der Partikelstrahl brannte ein großes, klaffendes Loch in den metallischen Schädel. Es dauert noch einen Augenblick und die Maschine stand still. Ich öffnete die Türe wieder und rannte den Gang zurück. Sicherlich hatten die anderen Droiden den Schuss vernommen. Ohne Zwischenfälle erreichte ich mein altes Versteck hinter einigen Versorgungsrohren.
Ich warf einen Blick auf die digitale Munitionsanzeige der erbeuteten Waffe. Noch 23 Schuss. Ob es reichen würde? Ich wartete einige Stunden, während denen ich in einiger Entfernung CY 102s bei ihren Patrouillengängen erblicken konnte. Ich schwitzte und mir war heiß. Glücklicherweise saß ich im Luftzug eines Belüftungsschachtes. Belüftungsschacht? Ich richtete meinen Blick auf das viereckige Gitter unter der Decke. Ich wusste nicht viel über die Luftversorgung der Delfin, aber vielleicht konnte ich mich durch die Schächte unbemerkt durch das Schiff bewegen. Ich hoffte nur, dass die Droiden nicht schon auf denselben Einfall gekommen waren. Über die Versorgungsrohre konnte ich das Gitter problemlos erreichen. Ich montierte es ab und warf einen Blick in den Schacht. Er war breit genug, um sich darin liegend voran zu ziehen. Auch wenn es sicherlich eine halbe Ewigkeit dauern würde. Ich kroch mehrere Stunden durch die Schächte. Ohne rechte Orientierung. Ich musste mich voran tasten; Licht gab es kaum. Mittels einiger Kerben, die ich in die Schachtwände kratzte, markierte ich mir den Rückweg.
Ich erreichte ein weiteres Gitter, das zur Vorratskammer führte. Vorsichtig schaute ich hinein. Zwei Guardians standen mitten im Raum und bewachten die geschlossene Tür – ihre Waffe im Anschlag. Glücklicherweise hatte ich vor meiner kleinen Kriechaktion nicht noch einen Abstecher zur Vorratskammer gemacht. Es wäre mein sicherer Tod gewesen. Die Droiden mussten auf mich aufmerksam geworden sein. Weshalb sollten sie sonst einen Hinterhalt legen? Ich zog mich, langsam und vorsichtig, weiter voran.
Durch das nächste Gitter konnte ich einen Blick auf die Brücke werfen. Da war er, der Kern allen Übels: der Großrechner. Ich konnte fast spüren, wie er nach mir suchte, wie er die Droiden gegen mich aufhetzte. Auf der ganzen Brücke standen Guardians verteilt. Still, bewegungslos. Wie steinerne Gargoyles an einer gotischen Kirche. Bereit, jede Bedrohung auszuschalten. Ich hielt es für besser, weiter zu kriechen.
Es dauerte einige Zeit bis ich das nächste Gitter erreichte. Ich wünschte mir, ich hätte es nie gefunden. Und ich wünsche mir fast, ich wäre nie aus der Stasis erwacht. Vielleicht wäre mir das hier dann alles erspart geblieben.


Fortsetzung in der nächsten NetNews

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