Die Imperial Rangers    (Markus Boenke) 
Fortsetzung aus NetNews 31
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Während dessen trat das Oberkommando endlich zusammen, um über das Corps zu beraten. Der generelle Tenor war schnell gefunden und lautete, dass man die Missionen wegen untragbarer Verluste beenden sollte, aber ein Mann war damit nicht zufrieden –Clark Dudley, mittlerweile zum Colonel aufgestiegen. Dieser hatte bereits 2542, als Schwierigkeiten mit dem maygonischen Militär auftraten, für eine Reform des Corps plädiert, war jedoch überstimmt worden. Dennoch hatte er an seiner persönlichen Vorstellung des Imperial Ranger Corps festgehalten und sie weiter entwickelt. Nun trat erneut mit seinen Reformvorschlägen auf den Plan und dieses Mal war man verzweifelt genug ihn anzuhören. So präsentierte der Colonel dem Oberkommando seine Vision des Corps als eine Einheit von „Supersoldaten“, die jeden gewöhnlichen Soldaten, sei er auch noch so gut ausgebildet worden, um Lichtjahre hinter sich lassen würden und das Oberkommando stimmte umgehend zu. Der Colonel wurde zum Oberbefehlshaber des Corps ernannt und so wurde das Jahr 2552 zur Geburtsstunde eines neuen Imperial Ranger Corps.

Der erste Schritt zu neuer Größe war, dass das Auswahlverfahren für die neuen Rekruten wesentlich verschärft wurde. Zwar wurden die Akten nach wie vor durchforstet, doch es wurde mehr Wert auf einige ganz spezifische, körperliche Voraussetzungen gelegt. Während diese intensivierten Auswahlverfahrens wurde dem Ausbildungscamp ein neuer medizinischer Komplex hinzugefügt, welcher eine entscheidende Rolle im Rahmen der neuen Ausbildung spielte. Colonel Dudley hatte einen Stab von Wissenschaftlern gebildet, welche die Rekruten rund um die Uhr betreuten. Vom Augenblick ihrer Ankunft im Camp an, wurden sie Tests unterzogen, sowohl physischen als auch psychischen, und bekamen Präparate gespritzt, die sie „beim Training unterstützen sollten“. Der Schlüssel zum Aufbau des neuen Corps hieß „Genmanipulation“.
Colonel Dudleys Traum von einer Einheit von „Supersoldaten“ war für die Mediziner kein Problem. Den Rekruten wurden während ihrer Ausbildung individuell angepasste „Drogencocktails“ verabreicht, welche ihnen gegenüber schlichtweg als „leistungssteigernde Mittel“ deklariert wurden. Über Auswirkungen und Risiken ließ man sie jedoch im Unklaren.
Welche Präparate genau verabreicht wurden, hat man bislang nicht herausfinden können, doch was sie bewirkten wurde sehr bald offensichtlich. Sie regten das Zellwachstum an, bauten Muskeln auf und machten die Rekruten widerstandsfähiger. Kurz, man ließ sie mutieren bis sie der Idealvorstellung des Colonels entsprachen: Groß, stark, geistig hellwach und gehorsam – denn zu den physischen Veränderungen wurden die Rekruten auch psychisch manipuliert. Die ihnen verabreichten Präparate machten sie aufnahmefähiger und vor allem leichter kontrollierbar, indem man ihnen das eingab, was sie wissen mussten und alles andere für immer aus dem Gedächtnis strich, um zu gewährleisten, dass nichts über jene Machenschaften nach Außen dringen konnte.

So vergingen sechs Monate und schließlich trat der erste Jahrgang der neuen Ranger in den offiziellen Dienst. Der erste Einsatz bestand in der Aushebung einer Cysionenbrutstätte auf Sardon 3 im Jahre 2553 – und das Corps übertraf selbst die Erwartungen Colonel Dudleys und des Oberkommandos. Binnen kürzester Zeit waren sämtliche Ziele eliminiert und von den 36 ausgesandten Rangern kehrten 31 mehr oder minder wohlbehalten zurück.
Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Halten mehr. Die Begeisterung über und für das Corps explodierte förmlich und die Imperial Rangers begannen eine Auszeichnung nach der anderen zu sammeln. Insgesamt erhielten Angehörige des Corps bis zum Kriegsende 8 Victoria-Kreuze, 37 Auszeichnungen für besondere Leistungen, 162 Militär-Kreuze, 32 Orden für herausragende Leistungen im Bereich der Führung und 218 Militär-Medaillen - und all das wurde vom MND wirksam in Szene gesetzt, um die Methoden im Ausbildungscamp zu verschleiern. Vor allem aber lenkten sie von den „unerklärlichen“ Zwischenfällen ab, welche einige Mitglieder des Corps vorzeitig das Leben kosteten.
Mit der Zeit zeigten sich nämlich Nebenwirkungen der Behandlung im Camp. Unkontrollierte Mutationen, geistiger Verfall und beschleunigte Alterungsprozesse traten auf, die es vor der Öffentlichkeit zu verbergen galt. Der MND hatte alle Hände voll zu tun und schaffte es nur mit Mühe die Geschichten von plötzlichen „Versetzungen“, „Todesfällen im Einsatz“ und „tragischen Unfällen“ aufeinander abzustimmen, als etwas geschah, dass aus Sicht der Militärs nie hätte geschehen dürfen: Der Krieg fand ein Ende.

Der Frieden hielt Einzug, Tausende von Soldaten wurden entlassen und einmal mehr trat das Oberkommando zusammen, um über die Zukunft der Ranger zu beraten. Niemand konnte es sich erlauben, dass die Wahrheit ans Licht kam und so fasste man den Entschluss, das Corps nicht zu verkleinern, sondern wie bisher fortzufahren. Die Ranger würden weiterhin eine Einheit von Elitekriegern bleiben, welche in Krisensituationen einschritt und zu diesem Zwecke mit modernstem Gerät ausgerüstet wurde. Ansonsten hielt man sich bedeckt, wie es sich für eine Spezialeinheit gehört.
So traten die Ranger in der Folge nur noch sporadisch ins Rampenlicht und wurden von der Öffentlichkeit gewissermaßen verdrängt. Zwar waren sie immer und überall der Inbegriff für Mut, Disziplin, Loyalität und Ehre, doch das große öffentliche Interesse kam nur dann auf, wenn das Corps aktiv auf den Plan trat, wie z.B. im Jahre 2569 als sich auf Zoltan 2, einer Kolonie, welche speziell für aus der Armee Entlassene gegründet worden war, eben jene zusammenrotteten und ein Aufstand drohte, da sie sich vom Militär verraten und von der Regierung verlassen fühlten. Souverän wie eh und je trat das Corps die Mission an und sorgte für geordnete Verhältnisse, nur um gleich danach wieder zu verschwinden.

Diese Politik wurde konsequent fortgesetzt, bis der mittlerweile zum General beförderte Dudley eine neue Idee hatte und seinen  bis dato genialsten Schachzug machte, indem er ausgewählte Mitglieder des Corps in die FEARLESS-Arenen schickte, wo sie den Massen spannende Wettkämpfe boten und so jegliche unnötige Aufmerksamkeit vom Corps ablenkten.

So weit der Auszug, der wirklich entscheidend ist. Der Autor ist bereits lokalisiert. Sein Name ist Daniel Hastings und er steht unter ständiger Beobachtung, ebenso wie der Empfänger des Schreibens, ein gewisser John Eldrich. Sobald der General eine Entscheidung gefällt hat können wir umgehend zugreifen.

Hochachtungsvoll

        Major Robert Muldoon - MND