Die Imperial Rangers    (Markus Boenke) 
Fortsetzung aus NetNews 30
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Noch im gleichen Jahr wurden die „Spähtrupps“ des Corps ausgesandt, doch von den insgesamt 41 Männern kehrten nur knapp die Hälfte zurück. Die Übrigen wurden von den Maygonen aufgebracht und inhaftiert, was den Aufbau freundlicher Beziehungen erheblich zu beeinträchtigen drohte. In einer eiligst einberufenen Krisensitzung des Oberkommandos wurde der Entschluss gefasst, diese Leute zu opfern. Von Seiten der Imperialen Sreitkräfte aus, waren diese Männer nie offiziell dorthin gesandt worden, und so deklarierte man sie kurzerhand als Deserteure, die den Aufbau freundschaftlicher Beziehungen sabotieren wollten, und überließ sie der maygonischen Gerichtsbarkeit. Doch auch diejenigen Ranger, welche von ihren Einsätzen zurückgekehrt waren, wurden aus dem Verkehr gezogen. Man konnte kein Risiko eingehen, doch mit der Angelegenheit in Verbindung gebracht zu werden. Zum endgültigen verwischen der Spuren wurde schließlich der MND aktiv und filterte die Informationen, ehe man sie herausgab. 
Damit war das größere Problem aus der Welt geschafft, doch es gab noch eine zweite Sache, die dem Oberkommando zu schaffen machte. Wie konnte es soweit kommen, dass gut die Hälfte der Männer, welche der absoluten Elite des Militärs angehörten, im Einsatz entdeckt und gefangen genommen werden konnten? Und wie konnte man dem Abhilfe schaffen? Die Ranger waren nicht mehr jene scheinbar unbesiegbaren Halbgötter. Das Podest, auf das man sie gehoben hatte, war erschüttert worden.
Hitzige Debatten entbrannten und es wurden erste Rufe nach einer Reformierung des Corps laut. Vor allem Major Clark Dudley, seines Zeichens Mitglied des Corps, setzte sich dafür ein. Letztlich wurde dieser Gedanke jedoch verworfen, denn das Oberkommando kam zu folgenden Ergebnissen. Erstens: Dass die Zahl der Verluste wachsen würde, war abzusehen gewesen, da man es nun mit einem straff organisierten Militärapparat zu tun hatte. Zweitens: Die erlittenen und voraussichtlich noch folgenden Verluste während kommender Missionen waren vertretbar, wenn man die zu erwartenden Ergebnisse berücksichtigte. Eben jene „Aufklärungsmissionen“ hatten wichtige Informationen über die Maygonen geliefert und daher waren die Verluste vertretbar, zumal man in diesem Falle gar noch ein Sondersituation zu bedenken hatte – die Aktion war nicht in Kriegszeiten vollzogen worden, also unter „verfälschenden Rahmenbedingungen“. Und gerade das war der Punkt, vor dem Major Clark zum Ende der Sitzung warnte. Dies war kein „Ernstfall“ gewesen.
Der Verlauf der Geschichte spielte jedoch dem Oberkommando in die Hände – vorerst. Schon kurz nachdem jene Entscheidung gefällt worden war, wuchsen und gediehen die Beziehungen zwischen Menschen und Maygonen. Mehr und mehr Verträge wurden geschlossen, der Handel blühte und allerorten herrschte friedliche Koexistenz, so dass die Ranger wieder auf ihre ursprünglichen Aufgaben angesetzt wurden und Polizei-Einsätze ausführten, wo immer sie gebraucht wurden. Doch dann kam der Tag, an dem das C5 entdeckt wurde.
Sowohl Menschen als auch Maygonen beanspruchten Sojus 5, den Planeten , auf dem es entdeckt worden war für sich, und es schien keine Einigung möglich. Der Kriegszustand wurde auf beiden Seiten ausgerufen und erst im letzten Augenblick wurde der Krieg verhindert. Die Maygonen offenbarten ihren Kampf gegen die Plasmoden und bescherten den Imperialen Streitkräften ihre bis dato größte Herausforderung, indem man sich verbündete. Menschliche und maygonische Militärs trafen zusammen, entwickelten Taktiken, koordinierten ihre Streitkräfte und schmiedeten Pläne, bei denen das Corps eine entscheidende Rolle spielte, was sowohl das Oberkommando, als auch die Mitglieder des Corps begrüßten. Nach 49 Jahren kam es zu „echten“ Kampfeinsätzen, bei denen das Corps seine Überlegenheit demonstrieren konnte.
So wurden die Ranger im Jahre 2552 auf Spezialmissionen tief im Feindesland geschickt, um den Gegner dann und dort zu treffen, wann und wo er es am wenigsten vermutete. Das erste Ziel war ein Versorgungsposten der Plasmoden. Es wurde ein Trupp von zwölf Mann Stärke ausgesandt, der ihn sprengen und damit den Vormarsch des Feindes stoppen sollte. Diesen Auftrag erfüllten die Ranger auch, doch keiner von ihnen kehrte zurück. Dies war ein Schlag mitten ins Gesicht. Doch das Oberkommando nahm diesen Verlust billigend in Kauf, indem es sich auf die Entscheidung von 2542 berief. Die Verluste waren in Relation zum Erreichten vertretbar. So sandte man das Corps weiter auf Missionen aus. Diese Missionen waren jedoch tatsächlich jene “Himmelfahrtskommandos“, zu denen frühere Einsätze hochstilisiert worden waren und so fielen im Rahmen der nächsten sieben Missionen 53 der insgesamt 71 eingesetzten Ranger. Von den 18 Überlebenden mussten 13 ihren aktiven Dienst im Corps aus Verletzungsgründen quittieren und wurden in den Innendienst versetzt. Wenn die Öffentlichkeit erfuhr, wie die Eliteeinheit der Streitkräfte mit Leichtigkeit vernichtet wurde, konnte das den gesamten Militärapparat demoralisieren und die Bevölkerung in Panik versetzen. So suchte der MND zum einen fieberhaft nach „Ersatzhelden“ und rief zum anderen ein Programm der „gezielten Desinformation Dritter“ ins Leben. Der Informationsfluss wurde kanalisiert. Sämtliche Berichte wurden gesichtet und bearbeitet, um das Idealbild des Corps aufrecht zu erhalten.
  


Fortsetzung folgt