Eine kurze
Analyse der cysionischen Spezies
von Prof. Dr. Alexander
Tanaka, Leiter des Instituts für Xenobiologie an der Gregor-Mendel-Universität
auf Sigma Prime
Bei
den allgemein als Cysionen bezeichneten Spezies handelt es sich nach neusten
Erkenntnissen um eine äußerst anpassungsfähige Lebensform,
die durch zahllose Mutationen und Unterarten ein komplexes biologisches
System bildet. Der genetische Grundbauplan aller bisher dokumentierten
Cysionenarten folgt gewissen Grundzügen, die sich in allen Unterarten
nachweisen lassen. Gleichzeitig ist die cysionische Physiologie extrem
anpassungsfähig, und ein Schlüssel dieser Flexibilität sind
die zahllosen chemischen Verbindungen, die das Wachstum und die Entwicklung
jedes Cysionen bestimmen. Es ist inzwischen als erwiesen zu betrachten,
daß nicht nur die genetischen Daten das Wachstum und die Entwicklung
eines Cysionen beeinflussen, sondern es wurde bereits eine große
Zahl von speziellen Wirkstoffen dokumentiert, die partielle oder sogar
vollständige Umwandlungen der Cysionen ermöglichen. Jedes Exemplar
wird also sowohl durch seine genetischen Codes, als auch durch bestimmte
chemische Wirkstoffe in seiner Erscheinung und Entwicklung definiert. Daher
ist es auch möglich, durch besonders reaktive Varianten dieser chemischen
Substanzen
 |
ausgewachsene Cysionen
in andere Unterarten mutieren zu lassen.
Da ein Teil der Cysionen
diese Stoffe selbst herstellt, kann sich eine Brutkolonie der Cysionen
an äußere Umstände anpassen. |
Das
einfachste Beispiel für diese Entwicklung sind die Brüter, eine
große, aufgeblähte Cysionenart, die keine andere Funktion hat,
außer durch Teilung weitere Cysionen zu erschaffen. Gleichzeitig
verströmen die Brüter ein Pheromon, das verhindert, daß
weitere Brüter heranwachsen. Stirbt der Brüter einer Kolonie
allerdings, wird das Pheromon aus dem Umfeld der Cysionen entfernt und
bestimmte Unterarten können in diesem Fall wieder zu einem neuen Brüter
mutieren. Was an diesem Beispiel noch recht leicht zu verstehen ist, hat
sich als ein unglaublich komplexes System erwiesen, in dem über 2000
verschiedene, katalogisierte Botenstoffe eine Rolle spielen, deren Wirkung
zum Teil auf den genauen Konzentrationen einzelner Komponenten beruht.
Nach
dem gescheiterten Versuch, auf New Texas mit dem Einsatz eines synthetisch
hergestellten Cysionenpheromons XT-167 das Wachstum weiterer Brüter
zu verhindern, wurde diese Art der chemisch-biologischen Kriegsführung
zunächst wieder gestoppt. Zwar war das XT-167 in der Lage, das Wachstum
weiterer Brüter zu blockieren, dafür kam es zu breiten Mutationen
von A-Typ-Cysionen, die sich in eine besonders aggressive Unterart verwandelten.
Eine
wichtige Frage bleibt der Ursprung der Cysionen. Aufgrund der extrem schnellen
Entwicklung und rasanten Expansion von Cysionenbrutstätten stellt
sich die Frage nach einem natürlichen Umfeld, das dieser Belastung
gewachsen wäre. Berechnungen haben ergeben, daß ein unkontrolliert
wachsender Cysionenbau einen erdähnlichen Planeten innerhalb von elf
Monaten überfluten und das Ökosystem endgültig zerstören
würde. Daher ist ein natürlicher Evolutionsprozeß, der
eine Art wie die Cysionen hervorbringen könnte, praktisch undenkbar.
Andererseits
erscheint es äußerst unwahrscheinlich, daß eine Rasse
wie die Plasmoden in der Lage sein sollte, eine derart komplexe Lebensform
von Grund auf zu erschaffen, so daß die Klärung der Herkunft
dieser Spezies viele der Rätsel um die Cysionen auflösen könnte. |
Aus
dem Einsatzbericht der Rettungsmission XF-4432-233.2551,
Major Tamara
Sinclair
Das
213te Regiment der Imperialen Armee traf 37 Stunden nach dem automatischen
Hilferuf der New Texas Orbitalplattform am 111.2551 um 2154 Standardzeit
dort ein. Äußerlich zeigten die Verteidigungsanlagen der Station
keine Schäden, doch den Sensorendaten zu Folge waren weite Teile der
Station ohne Energieversorgung und sämtliche Versuche, mit dem Kommandanten
der Station Kontakt aufzunehmen, scheiterten. Um 2217 dockten drei Enterkommandos
an der Shuttlebucht, dem Reaktor und dem unteren Habitatbereich an und
betraten die Station.
Bereits
nach vier Minuten fanden die Erkundungstrupps die ersten Spuren eines Kampfes,
der in der Station gewütet hatte, von Überlebenden jedoch fehlte
jede Spur. Das Team im Habitatbereich meldete um 2231 als erste Einheit
den Kontakt mit einer feindlichen, fremdartigen Lebensform, die als aggressive
Mischung aus Reptilien und Insekten beschrieben wurden. Eine Minute später
brach der Kontakt zu diesem Erkundungsteam ab. Innerhalb der nächsten
drei Minuten trafen auch die anderen Trupps auf diese fremdartigen Lebensformen,
die sich in großen Horden trotz massiver Verluste auf die Soldaten
stürzten und diese töteten.
Die
um 2241 ausgesandte Kampfeinheit fand die Überreste der aufgeriebenen
Einheiten und geriet ebenfalls selbst in einem Hinterhalt. Nur acht Soldaten
der fünfzig Mann starken Einheit entkamen um 2245 der Station.
Nachdem
um 2356 durch den Schiffsarzt eine Infektion von vier der Überlebenden
mit Fremdgewebe festgestellt wurde, die bereits zu Mutationen auf zellularer
Ebene führten, wurden 0013 auf Anordnung des Imperialen Oberkommandos
drei LDA-200 Mehrfachsprengköpfe mit nuklearer Bestückung auf
die Station abgeführt, die durch den Beschuß vollständig
zerstört wurde.
Aufgrund
der nicht geklärten Umstände des Angriffs durch eine unbekannte
Fremdrasse wird New Texas zur Quarantänezone erklärt. |
|