Aus dem FEARLESS Universum
eine Fortsetzungsstory von Sebastian Meusel
Biblische Plage Fortsetzung     Teil 3
Zuerst hörten sie das leise, aufgeregte Heulen von Maschinen und ein Schwarm kleinerer Kampfdrohnen jagte mit unglaublicher Geschwindigkeit aus der Öffnung im Boden und verschwand im Dickicht des Dschungels. Es ertönte schwerfälliges Summen, wie von riesigen Bienen aus dem Loch. Zwei große, silbrig glänzende, längliche Zylinder erhoben sich schwebend aus der klaffenden Wunde im Boden und folgten ihren kleineren Geschwistern - etwas behäbiger, doch genau so tödlich. Ihre Außenhüllen waren mit Sensoren bestückt, welche in gewissem Umkreis auf die kleinste Bewegung reagierten und die Körperwärme und Umrisse von Menschen erkannten, sobald sie aktiviert waren. Dann verteilten sie den Tot auf den Schlachtfeldern auf denen sie zum Einsatz kamen. Corona hatte sie bereits im Einsatz erlebt. Diese Dinger waren gefürchtet. Fast schon gemächlich zogen die beiden stählernen Titanen ihrem Vernichtungswerk entgegen. Umschwirrt von einigen der kleineren Drohnen. Hier war ein Waffendepot, der verfluchten Plasmos und noch dazu verdammt gut getarnt. Wer wußte wie viele es davon auf diesem verdammten Planeten gab? Kein Wunder das ihre Kammeraden zahlenmäßig unterlagen und kein Trägerschiff im Orbit war. Eine fast unüberschaubare Cysionenpopulation und computergesteuerte Kampfdrohnen. Die Bastarde operierten komplett Planetengestüzt.
Sergant De´la Esperanca gab das Signal zur Wiederaufnahme der Funkstille und McAllen gab es sofort an den nächsten in der Reihe weiter. Dann signalisierte sie dem Soldaten „bei mir sammeln“ und auch dies wurde weitergegeben. Binnen einer Minute war ihr Trupp vollständig angetreten. Per Handzeichen teilte sie ihren Soldaten mit, daß sie beabsichtigte in das Depot einzudringen um es zu zerstören. Alle nickten zur Bestätigung ihrer Anweisung. Im Gänsemarsch, tief geduckt liefen sie auf die Öffnung im Waldboden zu und spähten an deren äußerstem Rand hinab in die Tiefe. Eine schmale Rampe führte hinab in spärlich beleuchtetes metallenes, unbekanntes Terrain. Sie konnten nichts tun um die Drohnen abzufangen, sie würden von ihrer überlegenen Feuerkraft abgeschlachtet werden. Ihre einzige Option war es, den Computer zu finden der sie steuerte und ihn zu vernichten, bevor diese Maschinen allzuviel Schaden anrichten konnten und womöglich noch mehr von ihnen aus irgendwelchen Höllenschlünden im Boden auftauchten, vor allem bevor sie ihre Kammeraden an der Front niedermachten. Moretti huschte als erster hinab ins Zwielicht des schrägen Schachtes. Geduckt schlich er an das Ende der Schräge und spähte nach beiden Seiten um die Ecke, in das dahinter befindliche Areal. Schließlich signalisierte er dem Rest ihm zu folgen. Schnell und so leise wie möglich rutschten alle durch die schmale Öffnung, am Beginn des sich nach Oben erweiternden Winkels der Schleuse, auf die Rampe hinunter. Der Fall war nicht sonderlich tief und man verharrte abwartend am Ende der Rampe. Keine Sekunde zu früh. Denn über ihnen begann sich die gigantische Klappe wieder zu schließen. Ächzend sank der Waldboden wieder in seine vorgesehene Position. Erde rieselte herab. Ein lautes Rumpeln war das letzte Geräusch, welches von außen an ihre Ohren drang. Dann umfing sie vollkommene Dunkelheit.
Kleine intelligente, grausam kalte Augen, beobachteten wie der letzte der fremden Soldaten in dem großen Loch verschwand.
- Menschen hatten Loch von Maschinen gefunden. Wächter hatten versagt. Andere Wächter waren zu sehr mit anderen Menschen beschäftigt. Dumme Maschinen hatten Eingang geöffnet. Wächter war allein nicht fähig die Menschen aufzuhalten, ohne andere Wächter oder Maschinen. Herren würden zornig sein. Menschen saßen die in der Falle. Wächter konnten ihrer Strafe noch entgehen.
Der Wächter huschte durch das Unterholz, zu seinen Gefährten.
Diese kauerten im Dickicht und beobachteten neidvoll den Kampf der Maschinen gegen die Menschen.
- Maschinen töteten Menschen. Anderer Wächter kam zu vielen Wächtern. Brachte böses Wissen. Wächter wütend!
Gemeinsam schossen alle Wächter durch den Bodenbewuchs bis zu einem schmalen Spalt im Waldboden, in dem sie zischend und schnatternd verschwanden. 
- Wächter würden Fehler wieder gut machen. Wächter würden Menschen töten.
Die infrarot Sichtgeräte und Restlichtverstärker in ihren Helmen funktionierten einwandfrei und sie sahen sich einer für sie völlig fremden Welt gegenüber. Sie hatten einen großen Raum vorgefunden in dem wohl die Drohnen gelagert worden waren und inaktiv auf ihren Einsatz gewartet hatten. An der linken Seite des Raumes befand sich eine Art Schleuse welche passender Weise offen stand. Der Gang dahinter war schmal und lief in schnurgerade in die Dunkelheit hinein. Die Eierköpfe daheim würden sich freuen dies alles untersuchen zu können. Aber dafür mußten sie erst einmal ihre Ärsche auf diesen Planeten bekommen. Endlos schien sich der Gang zu erstrecken. Corona schauderte als sie daran dachte, wer vor ihnen diesen Komplex durchschritten hatte. Wissenschaftler und Techniker, „Eierköpfe“, der Plasmoden, hatten diese Anlage gebaut und gestaltet. Die Formen waren grazil und organisch, kaum ein Rechter Winkel und kaum etwas schien geschweißt oder vernietet zu sein. Mehr „gewachsen“, oder „geformt“. Kälte kroch ihren Rücken hinauf. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß es bald Ärger geben würde. Sie vertraute trotz aller Technologie ihren Instinkten. Es roch seltsam hier. Salzig und feucht, fast wie am Meer. Jedoch war die Luft nicht warm genug um große Mengen an Feuchtigkeit zu transportieren. Bisher waren sie noch keinen Sicherheitsdrohnen oder ähnlichem begegnet. Seltsam. Es sei denn die Plasmoden verließen sich all zu stark auf ihre Tarnungen und glaubten deshalb keine Wachen zu benötigen. Nein, so selbstsicher waren diese Kerle nicht. Irgend etwas war faul an dieser Sache. Sie spitzte die Ohren und deutete ihren Kammeraden das gleiche zu tun. Bisher hatten sie keinerlei Türen oder ähnliche Öffnungen in den kalten Metallwänden des Ganges gesehen. Aber irgendwie mußte man doch ins innere des Komplexes gelangen können. Wie zum Teufel?
Langsam, Meter um Meter schlich der Trupp voran, immer darum bemüht so wenig Lärm wie nur möglich zu machen. Neben ihr lief Moretti und in ihrem Rücken befanden sich Soudduk und Fendler. Der Com-Offizier blickte wiederholt auf seinen Empfänger des M.P.S.. Alle waren nervös und schwitzten unter ihren Helmen.
Plötzlich blieb Moretti neben ihr stehen.
-„Sarge, haben sie das gehört?“, flüsterte er ihr zu.
Er hatte nicht das Comlink benutzt somit auch nicht die Funkstille gebrochen.
-„Was?“
Moretti schrie auf.
Da war es auch schon zu spät.
Wie eine biblische Plage kamen sie über die nichts ahnenden Soldaten. Sie waren klein und unglaublich wendig. Und sie wußten ihren Vorteil zu nutzen. Behende sprangen sie zwischen die Soldaten, von oben herab regnend, wie ein bizarrer Froschregen aus alten Legenden. Nur waren dies keine Frösche. Die Wesen waren ungefähr so groß wie kleine Katzen und ungefähr genau so schnell. Keiner der Soldaten konnte schießen ohne einen der Seinen zu treffen. Die 
Biester bissen sich in allem fest was sie erreichen konnten und suchten gezielt nach Stellen, die nicht unter der schützenden Panzerung verborgen lagen - das hieß Gelenke und Hals. Schuppige Leiber bedeckten mit einem Male Fendlers gesamten Körper. Klauen, fast schon zu groß für ihre Tatzen, gruben sich in weiches Plastik und darunter liegendes Fleisch. Eins der Bestien riß ein Stück des Materials mitsamt dem darunter befindliche Kehlkopf und einem Teil der Luftröhre aus Fendlers Hals. Blut spritze auf Coronas Visier. Gurgelnd brach Fendler zusammen. So ein Wesen hatte sie oben gesehen. Verdammt! Die Cysionen hatten die ganze Zeit gewußt das sie hier waren.
Es war fast unmöglich abzuschätzen wie viele Kreaturen es waren. Sie sprangen von Körper zu Körper und bissen zu. Manchmal nur auf Rüstungsplatten, aber oft genug an vitale Stellen. In der Enge der Ganges war es so gut wie unmöglich, daß sie ihr Ziel verfehlten. Diese Biester waren verflucht präzise und schnell. Einige ihrer Soldaten hatten ihre Messer gezogen und setzten sich damit zur Wehr. McAllen brach schreiend unter den Bissen der cysionischen Mutanten zusammen. Zwei von ihnen hatten sich in seine Kniekehlen verbissen und ein drittes Biest hing an seinem Hals. Sie waren überall. Sie spürte eine dumpfen Schlag gegen ihre Brust und ein verzerrter keilförmiger Schädel, mit säbelartigen Reißzähnen und leuchtenden, haßerfüllten Augen tauchte in Coronas Sichtfeld auf. Sie spürte wie die Krallen des Wesens ihren Brustpanzer zerkratzten, als es sich bemühte auf dem glatten Material Halt zu finden. Schon schnappte es nach ihrem Hals. Mit beiden Händen packte Corona zu und hielt das Biest auf Distanz. Erstaunlich stark. Taumelnd krachte sie gegen die Wand des Ganges und versuchte das Wesen mit ihrem Gewicht zu erdrücken. Um sich herum hörte sie die aufgeregten Schreie ihrer Soldaten und das wilde Schnattern der Monster. So fest sie konnte preßte sie ihren kleinen Gegner an die Wand. Das Wesen schrie und spie ihr zischend eine schleimige Flüssigkeit entgegen. Ihr Visier begann zu qualmen.
-„Achtung! Sie spuken Säure!“
Schrie sie mit aller verbleibenden Luft heraus. Sich nicht mehr um ihre eigens verordnete Funkstille scherend.
-„Aye Sarge! Du MISTVIEH!!“
Kam nur von Codoba eine halbwegs kohärente Antwort. Wie schon gesagt, der Kerl war unter Streß kaum ruhig zu bekommen. Etwas krachte in ihren Rücken und sie spürte wie kleine Krallen sich an ihrem Panzer empor bewegten um an ihren Nacken zu gelangen. Mit aller Kraft warf sie sich gegen die rückwärtige Wand und fühlte die Knochen der Kreatur brechen. Sie viel von ihr ab. Ihr erster Gegner hatte nun allerdings wieder Luft bekommen und schnappte nach ihren Händen. Zum Glück hielten die verstärkten Handschuhe seinen Bissen stand. Dennoch spürte sie die unnatürliche Kraft in seinen Kiefern. Mit voller Wucht rammte sie ihren Brustkorb erneut gegen die Wand. Ihre Hände schmerzten fürchterlich und sicherlich brach sie sich ein oder zwei Finger der Linken, doch das Biest ließ von ihr ab. Benommen sackte es zu Boden. Corona zog ihr Messer und rammte es in den reglosen Körper bis dieser nicht mehr zuckte. Um sie herum schlugen sich ihre Soldaten mit den letzten der Angreifer herum. Ambrose riß einen der Cysionen gerade von O´Connels Rücken. An den Hinterläufen haltend, schmetterte er das Wesen wie ein Kaninchen an die Tunnelwand. Stinth wälzt sich am Boden und wurde von Tzieng dabei unterstützt zwei der Monster von seiner Kehle fern zu halten. Codoba hielt vier der Viecher in einer Hand und riß, laut fluchend, ein fünftes am Nacken von Soudduks Bein herunter. Der große Mann drückte das Biest zu Boden. Mit einem scharfen, feuchten Knacken zerbrach sein Schädel unter Codobas schwerem Stiefel. Dann schaute er sich nach Stinth um, welcher gerade mit Hilfe von Tzieng und Ambrose das letzte der Biester los wurde. Ambrose durchschnitt gekonnt die Kehlen der Wesen und ließ sie dann liegen.
Fendler, McAllen und Moretti waren tot. Es war wohl einem von ihnen gelungen unter Morettis Rüstung zu kriechen und dort hatte es ihm bei lebendigem Leibe die Eingeweide zerfetzt. Um sie herum lagen 6 tote Cysionen. Esperancas Helm war unbrauchbar geworden, die Säure hatte sich durch das Visier gefressen und einige Schaltkreise zerstört. Zum Glück jedoch war das Loch nicht all zu groß. Mit einem Neutralisator aus O´Connels Zauberkasten, wie sie in Anlehnung an ihren Teamnamen die Medbox nannten, konnten sie die Säureverbrennungen in den Bissen der verbliebenen Soldaten zumindest stoppen. Stinth war schwer verletzt . O´Connel hatte ihn intubiert und seine Atmung stabilisiert, doch konnten sie ihn nicht transportieren ohne sein Leben zu riskieren. Soudduks Beine sahen schlimm aus. Er konnte sich nur noch eingeschränkt Bewegen. Der Rest der Truppe war angeschlagen, aber nicht Kampfunfähig. Sie würden weiter machen und ihre Kammeraden vorerst unter O´Connels Obhut zurücklassen.
-„ Ambrose sie bleiben bei O´Connel, Stinth und Soudduk. Gehen sie so schnell sie können zurück zur Ausgangsklappe und suchen sie einen Weg das Ding auf zu bekommen. Warten sie auf unser Signal und sollten wir uns nicht nach 45 Minuten melden, hauen sie ohne uns ab. Wir bleiben über Funk in Kontakt so weit das möglich ist. Achten sie auf die Decke und lassen sie keines dieser Biester auch nur fünf Meter an sie heran, falls sie von vorn oder hinten kommen.“
Der Angesprochene hielt bereits sein schweres Plasma MG schußbereit im Gyrostablisisator an seiner Hüfte.
-„Codoba und Tzieng sie kommen mit mir. Wir machen diesen Scheißern Feuer unter dem Arsch!
Tzieng nickte knapp und schwenkte, wie zur Bestätigung, sein MG in Richtung der den Gang vor ihnen ausfüllenden Dunkelheit.
Codoba murmelte unaufhörlich in seinen Helm, hatte aber gnädiger Weise das Funkgerät abgeschaltet. Er wußte, daß sein Gerede den Anderen an den Nerven zerren konnte, auch wenn es bedeutete, daß er voll Einsatzbereit und so explosiv wie eine seiner Bomben war. An seinem Gürtel baumelten fünf der toten Cysionen.
Ambrose, können sie mich hören? Fragte Codobo. Nur statisches Rauschen beantwortete ihre Frage. Scheiße, nun mußten sie sich wirklich beeilen. Die dicken Wände in diesem verdammten Bunker machten Funkverständigungen unmöglich. Sie hatten noch 28 Minuten. Inzwischen hatten sie bei ihrem hastigen Lauf durch den endlos scheinenden Gang eine weitere Schleuse erreicht. Ein seltsamer Schließmechanismus mit noch seltsameren Zeichen darauf verwehrte ihnen den Eintritt. Hoffentlich erwartete sie keine weitere Horde gefräßiger kleiner Monster oder tödlicher Drohnen. Codoba schnaufte und fluchte atemlos in seinen Helm hinein. Er konzentrierte sich auf die Plazierung einer ausreichenden Sprengladung, um dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen. Drei der kleinen, doch äußerst wirkungsvollen Haftladungen sollten reichen. Der Spanier drückte drei Knöpfe und lief dann ohne ein Wort einige Meter zurück, wo Tzieng bereits wartete und sich bemühte die Tür und den Gang hinter ihnen gleichermaßen im Auge zu behalten. Corona folgte ihrem Landsmann und kauerte sich neben ihn an die Tunnelwand. Sie wußte warum er dies tat.
-„So, dann wollen wir doch mal sehen was meine Babys dieser Tür so antun können. Achtung, gleich geht die Show los. 3,2,1.....BUMM!!“

Fortsetzung folgt....

der 4. und letzte Teil erscheint in der nächsten NetNews

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