Stories
Geschichten aus dem FEARLESS Universum
Schönheit hat ihren Preis
von Sebastian Meusel
- Oh Gott, wie fade. -

Chantall langweilte sich. Diese Geschäftsessen nahmen einfach kein Ende. Nun saß sie schon seid drei Stunden lächelnd an Kourosava Sans Seite. Nur schwer konnte Sie ein Gähnen unterdrückend. Im besten Restaurant der Stadt wohlgemerkt, aber trotzdem keinen Deut vergnügter als zu Beginn des Abends. Wenigstens hatte das Essen sie für einige Minuten von dem monotonen Geplapper der Schlipsträger befreit, welche nur hier waren um ihrem Auftraggeber so tief wie möglich in den Arsch zu kriechen. Auch wenn sie dies als ≥Aufwartung machen„ beschreiben. Man hatte Floskeln der Höflichkeit und der blumig verpackten Animosität ausgetauscht. Man hatte Geschäftsberichte vorgelegt und über Ausgaben und Einnahmen ausführlich diskutiert. Dann hatte man Schweigend gegessen. Danach wurden die Geschäftsberichte vorgesetzt und später schwang man von Personalproblemen auf Übernahmen ≥feindlich gesinnter Konglomerate„ und ≥am Wendepunkt angelangter Kleinfirmen„ um. Danach folgten ≥externe Bedrohungen der finanziellen Unabhängigkeit der Firma„. In diesem Zusammenhang fiel auch nebenbei der Name ≥Fearless Company„. 
Die ganze Zeit hatte sie sich verhalten wie es von ihr erwartet wurde. Sie hatte gelächelt und gelacht wenn es angebracht war, sie hatte die Huldigungen der Gäste für den guten Geschmack Kourosava Sans, in der Wahl seiner Begleitung, über sich ergehen lassen, hatte den üppig verteilten Komplimenten bescheiden nicht zugestimmt und sie entsprechend erwidert und hatte die lüsternen Blicke der alten Männer ertragen, welche ständig unverhohlen über ihren Körper wanderten. Kurzum sie war das perfekte Schmuckstück, wie es von ihr erwartet wurde. Sie hatte schon öfter an solchen und ähnlichen Konferenzen teilgenommen und interessierte sich kein Bißchen für das Geschwafel der Leitenden Angestellten des Konzerns. Obwohl sie sicherlich mit all ihrem Wissen über die internen Machenschaften der Firma eine Menge Geld machen könnte. Sie müßte ihre Informationen nur den richtigen Leuten erzählen. Oh, das würde sicher sehr viel Geld für sie bedeuten, aber auch eine Kugel in den Hinterkopf - früher oder Später.
Innerlich seufzend beugte sie sich ein wenig zu ihrem Auftraggeber und teilte ihm flüsternd mit, daß sie die Waschräume aufsuchen würde. Er nickte. Zuckersüß lächelnd stand sie auf, darauf achtend, daß ihr Kleid genau an den richtigen Stellen etwas zu viel Einblick gewährte. Die Blicke fast aller am Tisch folgten ihr. Genaugenommen starten nur zwei Personen nicht hinter ihr her,  Kourosava San und ein älterer Leitender Manager einer der Tochtergesellschaften, welcher nur angestrengt durch seine dicken Brillengläser in das Dossier vor ihm auf dem Tisch blickte und dabei keine Mine verzog.
Chantall nahm ihre gewohnte Position vor dem großen Spiegel in der Damentoilette des Hauses ein und kontrollierte mit geübtem Blick den Sitz ihres Kleides und ihres Make-Up's. Perfekt, wie immer. Nur ihr rechter Ohrring bedurfte einer geringfügigen Korrektur. Sie benutzte kurz eine der Toiletten und wusch sich dann ausgiebig die Hände. Schließlich riß sie ein Papiertuch aus dem dafür vorgesehenen Behälter an der Wand und warf es kurz darauf in den Mülleimer. Ein letzter Blick in den Spiegel bestätigte ihr, daß sie wie immer umwerfend aussah. Alles bestens, bestätigte sie gedanklich ihrem Spiegelbild und ging dann wieder hinaus in den Speiseraum. 
Die Konferenz fand natürlich in einem separaten Raum statt, der eben für solche Gelegenheiten ausgestattet war. Abhörsicher und mit speziell verstärkten Wänden und Türen. Im Vorbeigehen studierte sie die Gesichter der Anwesenden und entdeckte kleine Schweißperlen und den Schimmer von Feuchtigkeit auf einigen von ihnen. Es war etwas zu warm im Raum, doch das störte sie nicht im geringsten. Wenn dieser Umstand die Besprechung etwas verkürzte, sollte dies ihr nur recht sein. Der ältere Europäer starrte noch immer gebannt in die vor ihm liegende Akte. Sie erhaschte einen Blick auf eine absteigende Erfolgskurve, als sie an ihm vorüber ging. Der 
Tisch stand in der Mitte des Raumes, wie es sich gehörte, und zwischen den Rücken der Männer und den Wänden war mehr als genug Platz. Kurz nickte sie ihrem Auftraggeber zu als sie erneut schräg hinter und rechts neben ihm Platz nahm. Es ziemte sich nicht für ein Accessoire, neben seinem Besitzer  am Tisch zu sitzen. Sie sollte lediglich mit ihrem Glanz seine Gestalt und seine Macht hervorheben. Das er eine solche Frau besaß und sie sogar zu einer solch wichtigen Konferenz mitbrachte, war ein deutliches Zeichen seiner Überlegenheit für alle Anwesenden. Seine Macht war es auch, die für exzellente Sicherheitsvorkehrungen sorgte. Das Restaurant gehörte Heute nur der Versammlung allein und ein ganzes Bataillon von Bodyguards und Wachpersonal beschütze die hochrangigen Gäste. Diese Leute waren gut - nur offenbar nicht genug.
Mit einem Mal fiel ein winziger Gegenstand aus einem der Lüftungsschächte über dem Tisch herab. Er zerbarst auf der Tischplatte und augenblicklich entwickelte die darin enthaltene Flüssigkeit einen dichten weißen Rauchschleier. Perplex und vollkommen überrascht starrten die zehn Männer am Tisch auf den aufsteigenden Rauch. Ihre Hirne brauchten eine Weile bis sie registrierten, daß ihre Leben in unmittelbarer Gefahr waren. Und schon rief der erste von ihnen, der bebrillte Europäer, das magische Wort, welches alle aus ihrer Starre löste:   ≥GAS!!!„ 

        ...  Fortsetzung folgt in der nächsten NetNews
 

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