... und die Menschheit zog aus in die Galaxis.

Für die schweren Arbeiten hatten die Menschen die Cyborgs geschaffen, Wesen halb Mensch halb Maschine, mit einem guten Maß an Intelligenz. Die Cyborgs waren die Wegbereiter für die zahlreichen neuen Kolonien. Unwirtliches Klima, feindliche Flora oder Fauna, hätten die Menschen zu hunderten hingerafft. Die Cyborgs jedoch überlebten, ohne großen Schaden zu nehmen.

Leider gab es immer wieder mal Mißgunst und Neid zwischen den Kolonien, die zu kriegerischen Handlungen führten. Aber sie hörten auf, als man vor 178 Jahren die Imperiale Raumflotte einführte. Sie wurde von allen Kolonien gemeinsam unterhalten und unterstand der Erde. Allerorten stellte sich Wohlstand ein. Nur der Traum der Forscher, auf intelligente Lebensformen zu stoßen, war nicht in Erfüllung gegangen. Der Glaube, der Mensch sei das einzige hochentwickelte, intelligente Lebewesen des Universums, hatte sich wieder durchgesetzt.

Da stieß man überraschend auf den ersten Vertreter der Maygonen, eine humanoide, kleinwüchsige und zähe Rasse. Nachdem die Sprachbarriere durchbrochen war, stellte man viele Gemeinsamkeiten fest. Ein freundschaftliches Nebeneinander der Rassen schien möglich, besser als es Science-Fiction-Autoren jemals geschrieben hatten.

Die ersten Verträge zwischen Kolonien der Menschen und Maygonen führten zu einem regen Handel mit Rohstoffen und medizinischen Gütern. Die Offenheit, mit der die Maygonen ihre Technologie den Menschen zeigten und sie darin einwiesen, wirkte schon "blauäugig".

Um so unverständlicher war es, daß sie den Standort Ihrer Heimatwelt nicht bekannt geben wollten. War es Mißtrauen, oder umgab diesen Planeten ein Geheimnis? Die sagenhaftesten Gerüchte entstanden. Es wurde erzählt von einer Überwelt, auf der die Geister der Maygonen wie im Paradies lebten, bis hin zu einem verseuchten, von Kriminalität überzogenen Planeten, für den sich die Kolonisten schämten.

Im Jahr 2551 entdeckte der Professor der Molekular-Energiegewinnung Dr. Cornelius Cemai auf dem Planeten Sojus 5 einen neuen Rohstoff, der alle Technologien der Energiegewinnung lächerlich erscheinen ließ. Mit ihm schienen alle Energieprobleme lösbar. Er nannte ihn Cemaidium 5 und setzte sich damit ein trauriges Denkmal.

Die Maygonen beanspruchten den Planeten für sich, mit der Begründung, sie hätten ihn zuerst entdeckt. Die Handelsbeziehungen wurden abgebrochen und der Kriegszustand auf beiden Seiten ausgerufen. Die Menschen zogen ihre Imperiale Raumflotte zusammen und bildeten einen Verteidigungsring um den Planeten, während die Maygonen ebenfalls eine riesige Flotte versammelten, um ihren Gegner von Sojus 5 zu vertreiben. Noch bemühten sich die Konfliktparteien um eine friedliche Regelung. Aber es konnte keine Einigung gefunden werden.

In einem letzten Aufbäumen sagte der Oberkommandierende der Maygonen-Streitkräfte die entscheidenden Worte: "Wir wollten immer nur Frieden, auch mit den Menschen. Es kostet mich große Überwindung, unsere Schmach einzugestehen."

Er zögerte, als ob er überlegte, ob er wirklich die ganze Wahrheit sagen sollte, fuhr dann aber fort: "Vor 37 Jahren wurde unsere Heimatwelt von den Plasmoiden angegriffen, einer Rasse, wie sie grausamer nicht sein kann. Zu hunderttausenden fielen sie vom Himmel und schlachteten alles ab, was vor ihre Waffen kam. Da wir in Frieden lebten, hatten wir keine sehr starke Armee, die den Angriff hätte abwehren können. Wer es schaffte lebend in die Transport-Räume zu kommen floh. Wir haben alles zurücklassen müssen, unsere Eltern und Kinder, unsere Freunde, unsere Hauspflanzen, unser Hab und Gut und unseren Stolz. Wir haben nie wieder etwas von Allaga gehört. Vermutlich wurden alle ermordet."

Seine Stimme klang bitter, sogar durch den Translator: "Wir haben uns versteckt wie Feiglinge und gehofft, sie würden uns nicht finden. Drei Jahre später überfielen die Plasmoiden Amosia, unsere älteste Kolonie. Die Amosianer kämpften bis zum Ende, doch die Waffen ihrer Feinde waren zu stark. Drei weitere Welten fielen noch, bis wir aus unserem Selbstmitleid erwachten und anfingen, uns auf die Angriffe der Invasoren vorzubereiten. Wir stellten Verteidigungsstrategien auf und bauten Waffen. Wir suchten im All nach neuen Technologien, mit denen wir die Plasmoiden besiegen könnten." Seine Augen glühten vor Wut und seine Stimme wurde hart als er weitersprach: "Während diese Mörder eine Welt nach der anderen fanden und mit Krieg überzogen."

Er holte tief Luft und sagte bedeutungsschwer: "Wir suchen schon zu lange nach einer Möglichkeit unseren Brüdern und Schwestern in ihrem Kampf beizustehen. Wir werden nicht noch einmal davonlaufen, auch wenn es unser Leben kostet. Ich bitte Sie, im Namen unseres Volkes, uns den Planeten zu übergeben. Was heute mit unserem Volk passiert ist, kann morgen Ihr Volk treffen. Ich bitte Sie daher ebenfalls um Ihre Unterstützung im Kampf gegen unsere Feinde."

Nun war es heraus, das Geheimnis von Allaga, der Heimat der Maygonen. Verbitterung und Verblüffung herrschte auf der Seite der Menschen. Man stellte sich die Frage, wie die Maygonen dieses schreckliche Geheimnis so lange für sich behalten konnten. Doch schnell machte die Verbitterung dem Verständnis für die verzweifelte Handlung der Maygonen Platz, war sie doch nur zu menschlich.

In den folgenden Verhandlungen belegten die Maygonen ihre Ausführungen mit Aufzeichnungen, die so erschütternd waren, daß es unmoralisch gewesen wäre, diesem Volk die Unterstützung zu verweigern. Auch dem eigenen Volk gegenüber. Die Plasmoiden breiteten sich dermaßen schnell aus, daß abzusehen war, wann sie die erste Kolonie der Menschen erreichen würden.

Neun Monate später und gerüstet mit C5 machte sich die Streitmacht der beiden Völker auf den Weg zum Rande der Galaxie nach Allaga. Die Verluste waren hoch, zu hoch. Schließlich mußte jede Welt mit Bodentruppen zurückerobert werden. Im fünften Jahr zählte man bereits 13 Millionen Tote, während der Gegner nur halb so viele hatte. Als man die Cyborgs mit C5 ausrüstete, verbesserte sich das Verhältnis schlagartig auf 1 : 1. Aber C5 hatte eine unangenehme Nebenwirkung. Irgendwie veränderte es die Cyborgs.

Nach acht weiteren Jahren waren die Plasmoiden zu Verhandlungen bereit und zwei Jahre später wurde aus dem Waffenstillstand ein Friedensvertrag, der lange halten sollte, dessen war man sich einig.

Langsam wurden die Streitkräfte der Imperialen Raumflotte wieder abgebaut. Tausende Söldner, die eigentlich gar nichts anderes mehr kannten als kämpfen, standen auf der Straße und mußten sich nach einer neuen Erwerbsquelle umsehen. Clevere Geschäftsleute hatten die zündende Idee und die Regierung von Sojus 5 war die erste, die ihr Einverständnis erklärte. Es lag schon immer im Interesse der Regierenden, die Massen mit Spielen zu beschäftigen und so von den Mißständen abzulenken. Und was gab es besseres, wenn man damit auch noch Geld in die leere Staatskasse bekam. Der Mensch brauchte schließlich eine Leidenschaft.

Das neue Zauberwort dafür hieß: "Die Arena".

Am besten zu vergleichen war "Die Arena" mit den Gladiatorenkämpfen des Römischen Reiches. Nur mit dem Unterschied, daß nicht Sklaven einen aussichtslosen Kampf gegen Großkatzen führten. Es waren Söldner, die hier mit ihrem Kriegsgerät um einen Sieg und ihr Überleben kämpften. Hin und wieder befanden sich auch Maygonen und Plasmoiden unter den Kämpfenden oder Cyborgs und Terminatoren wurden als Gegner für die Gladiatoren eingesetzt.

Natürlich ging es um eine Menge Geld, das durch Wetteinsätze zustande kam. Ein ausreichend großer Anreiz für viele Söldner, furchtlos ihr Leben zu riskieren.

Um den Kämpfenden das nötige Umfeld zu verschaffen, wurden im Laufe der Jahre auf vielen Planeten riesige Arenen gebaut, mit hohen, durch Sicherheitsbarrieren geschützten, Zuschauertribühnen. Trotzdem kam es hin und wieder zu schweren Unfällen, wenn Granaten, Querschläger oder ähnliches die Barrieren durchdrangen. Als die ersten Toten zu beklagen waren und Millionenklagen auf die Veranstalter zukamen, schlossen sie sich zusammen und gründeten die FEARLESS Company. Mit beschränkter Haftung versteht sich. Sie entschlossen sich, ganz neue Wege zu beschreiten.

Alte und aufgegebene Industrieanlagen, verlassene Ruinenstädte, Wüsten, Sümpfe und Wälder sind die neuen Arenen. Umgeben werden die Areale von Plasmaenergie-Begrenzungseinheiten, die nichts hinein- und herauslassen, nicht einmal Licht. Daher gibt es an allen Ecken und Enden ferngesteuerte Übertragungseinheiten, die in bestehender Bildqualität eine 3D-Übertragung der Kämpfe ermöglichen.

Die Größe und Grundform des gewählten Gebietes ist abhängig von der Anzahl der kämpfenden Parteien. Für gewöhnlich ist sie rechteckig. Bei mehr als 4 Parteien wird eine neue Seite installiert, wodurch sich die Grundfläche meistens vergrößert. In der Mitte einer solchen Seite erhält die Partei ein Gate. Dieses Gate ist der Eingang, an dem die Plasmaenergie umgelegt wird. Für die Kämpfer gibt es nur diese eine Möglichkeit, die Arena zu betreten und nur hier können sie sie wieder verlassen - tot oder lebendig.

Cane hatte es seinen Gegnern nie einfach gemacht und so mancher vielversprechender Kämpfer fand durch ihn ein jähes Ende. Heute, mit 42 Jahren, was ein beachtliches Alter für sein Gewerbe war, befand er sich am Höhepunkt seines Erfolgs, und er wurde sich seines Alters schmerzlich bewußt. Er hatte sich entschlossen nur noch ein letztes Mal diesen Ort des Todes zu betreten. Die gebotene Siegprämie war einfach zu verlockend. Mit dem Geld, das er bei seinem Sieg, dessen er sich sicher war, bekommen würde, könnte er einen mehr als sorglosen Lebensabend bestreiten.

Im Grunde aber war es eigentlich nicht das Geld, was ihn reizte oder mindestens nicht ausschließlich. Vielmehr war es der fanatische Applaus der Menschenmassen auf den Rängen, wenn er nach einem Sieg die Ruhmeshalle betrat. Wenn sie begannen, immer wieder den Namen ihres Champions zu rufen, bis die Kuppel der Halle zu beben begann. Seinen Namen. Während dieser Zeit floß pures Adrenalien in seinen Adern, und dessen war er nie überdrüssig geworden. Er war Cane, Liebling der Massen, Champion der Spiele auf Sojus 5 und Bezwinger all jener, die es wagten, sich ihm entgegen zu stellen.

Cane hatte gewußt, daß ihm der Sieg nicht geschenkt werden würde, aber mit solch massiven Problemen hatte er nicht gerechnet. Sein Gegner erwies sich als äußerst würdig. Seit Jahren hatte er keinen so verbissenen Kampf mehr durchlebt. Schon von Beginn an wurde ihm hart zugesetzt. Wie hatte er seinen Gegner nur so unterschätzen können. Während eines kurzen aber heftigen Schlagabtausches in einer der vielen Ruinen, hatte er bereits 2 schwere Treffer im rechten Arm und Bein einstecken müssen.

Sloan, so war der Name seines Gegners, hatte ihm hinter einer halb eingestürzten Wand aufgelauert und sofort das Feuer eröffnet, als Cane den Raum betrat. Wieso hatte er ihn nicht bemerkt?

Unter normalen Umständen hätte er eine Wärmesignatur auf der IR-Optik seines Augenimplantates wahrnehmen müssen. Das Ganze war nur so zu erklären, daß Sloan einen dieser seltenen und teuren Anzüge trug, der ihn für wärmeempfindliche Optiken unsichtbar machte. Aber es war jetzt bestimmt nicht die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Cane ging in Deckung, entsicherte eine seiner Blendgranaten und warf sie hinter das Versteck Sloans. Er hoffte, daß er damit genug Verwirrung stiften würde, um sich die Zeit zu verschaffen, die er brauchte.

Er rettete sich mit einem Sprung aus dem Fenster zu seiner rechten, rollte gekonnt auf dem harten Asphalt ab und kam mühsam auf die Beine. Seine verletzten Glieder schmerzten höllisch und er war dankbar für die Entlastung seines verwundeten Beines, als er den Auslöser für seinen Sprungtornister drückte. Als Cane in 80 Metern Entfernung unter großen Schmerzen auf dem Dach eines mehrstöckigen Gebäudes wieder festen Boden unten den Füßen verspürte, fand er Zeit, sich um seine Verletzungen zu kümmern. Er war sicher, daß er unbemerkt sein Versteck erreicht hatte und begann sofort die medizinische Einheit seines Gefechtspanzers zu aktivieren.

Cane konnte von mehr als Glück reden, daß die Hochgeschwindigkeitsprojektile aus Sloans vierläufigem Automatikgewehr so stark von seiner Panzerung abgebremst worden waren, daß beim Durchschlag keine Knochen verletzt wurden. Bei der Schwere einer solchen Verletzung wäre es fragwürdig gewesen, ob er überhaupt hätte weiter kämpfen können, was die Chance auf sein Überleben rapide gesenkt hätte. Nach wenigen Sekunden nahm die Med.-Einheit ihren Dienst auf und er bemerkte erleichtert, wie sie seine Wunden mit einem höchst wirksamen Gel verschloß. Dieses Gel stoppte nicht nur die Blutung, sondern versorgte ihn gleichzeitig mit den nötigsten Gefechtsdrogen, damit er diesem Hurensohn Sloan heftig in den Arsch treten konnte.

Cane war die Lust auf Versteckspielchen gehörig vergangen.

Als er sich, nach wenigen Sekunden der Erholung, wieder seinem Gegner widmen wollte, wurde er durch die Wucht einer Explosion unter ihm zu Boden gerissen. In Bruchteilen einer Sekunde verstand er, was vor sich ging. Dieser Wahnsinnige war im Begriff, ihm das gesamte Gebäude unter dem Hintern wegzusprengen.

Er war fassungslos über das was soeben geschah. Sloan war es wieder gelungen ihn zu überraschen. Entweder hatte er in den vergangenen Jahren gegen irgendwelche dahergelaufenen Bauerntölpel gekämpft, oder aber er war wirklich zu alt für seinen Job. Cane ging eher davon aus, daß Sloan aus dem gleichen Holz geschnitzt war wie er selbst.

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und auf seiner Stirn bildete sich Schweiß. Er spürte Angst. Er, der FEARLESS-Champ von Sojus 5 hatte Angst um sein Leben. Dieser Mistkerl von Sloan!

Voller Wut und bis unter die Schädeldecke abgefüllt mit Adrenalin, drückte er erneut den Auslöser seines Sprungtornisters, um den Trümmern des unter ihm wegsackenden Hauses zu entkommen.. Als er den Scheitelpunkt seines Sprungs erreichte und in sicherer Entfernung langsam dem ruinösen Asphalt einer Straße entgegensackte, bemerkte er, daß heute wohl wirklich nicht sein Tag war.

Unter ihm, in ca 20 Metern Entfernung stand er, der Sendbote des Wahnsinns, Canes persönlicher Fluch. Breitbeinig, das vierläufige Automatikgewehr im Anschlag, mit einem verrückten Grinsen auf seinem von Wahn verzerrten Gesichtszügen eröffnete Sloan das Feuer. Jetzt konnte ihn nur noch sein Kampfpanzer retten. Wenn der nicht Höchstleistungen brachte, würde er keine Chance mehr haben.

Seine Faust knallte auf den Notknopf ..........